Brandschutzkonzepte

Zum Nachweis der Einhaltung der Auflagen im Brandschutz nach Landesbauordnung gibt es zwei Möglichkeiten:

Der Brandschutznachweis

Das Brandschutzkonzept

Besondere Fragestellungen können zudem in brandschutztechnischen Stellungnahmen behandelt werden.

Brandschutznachweis

Für jedes Gebäude muss der Nachweis erbracht werden, dass die Schutzziele nach der Landesbauordnung eingehalten werden.

Wenn die materiellen Forderungen der Bauordnung eingehalten werden, ist die Einhaltung der Schutzziele gewährleistet und das Gebäude genehmigungsfähig. Der Brandschutznachweis tut dies durch die Gegenüberstellung Soll (Vorschrift) / Ist (Planung).

Für die Baugenehmigung ist dann ein im Wesentlichen schematisierter Nachweis zur Erfüllung der baurechtlichen Anforderungen erforderlich.

Der Nachweis besteht aus einem Text, der die Belange des baulichen, anlagentechnischen, abwehrenden und organisatorischen Brandschutzes behandelt.

Zudem aus ergänzenden Plänen (Brandschutzplänen).

Brandschutzkonzept

Die Landesbauordnung gibt vor, wie Gebäude zu errichten sind und zeigt mit ihren Vorgaben eine Standardlösung zur Umsetzung von Regelbauten (Büro- und Wohnnutzungen) auf. Der Brandschutznachweis genügt hier zum Nachweis der Einhaltung der baurechtlichen Forderungen.

Will man einen Industriebau, eine Schule oder eine größere Verkaufsstätte errichten, funktionieren die Regelungen der LBO nicht mehr. Dann kommen zusätzliche ergänzende Richtlinien zur Anwendung oder der Brandschutzplaner muss in Eigenverantwortung Brandschutzmassnahmen angeben, mit denen er meint, die baurechtlichen Forderungen (Schutzziele) an den Brandschutz zu erfüllen.

So sind laut Bauordnung Öffnungen in Geschoßdecken nicht gestattet. Einkaufszentren sind jedoch ohne Atrien oder Galerien schwer vorstellbar. Da dies baurechtlich nicht erlaubt ist, muss der Nachweis zur Erfüllung der Schutzziele anders erbracht werden. Das Brandschutzkonzept muss darlegen, dass trotz dieses (laut LBO ausdrücklich erlaubten) „Verstoßes“ gegen die Bauordnung, die Schutzziele erreicht werden.

Gute Brandschutzkonzepte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Bauherrn und Architekt. Je eher der Brandschutzplaner mit am Tisch sitzt, desto besser lassen sich Kosten sparen. Oft sind es Kleinigkeiten, die teure Brandschutzmaßnahmen ersparen können.

Prüfung von Brandschutzkonzepten

Brandschutzkonzepte für Sonderbauten werden baurechtlich geprüft. In Bayern besteht für den Bauherren die Möglichkeit, hierfür einen frei gewählten Prüfsachverständigen zu wählen. Hier arbeiten wir seit Jahren mit einem großen, deutschlandweit tätigen Prüfsachverständigenbüro zusammen und haben gemeinsam bereits viele clevere Lösungen realisieren können. Von dieser eingespielten Zusammenarbeit profitieren unsere Kunden.

Kreativität und Mut zur Verantwortung

Nachdem die baurechtlichen Bezüge fehlen, muss auf andere Art nachgewiesen werden, dass die Schutzziele dennoch eingehalten werden. Jede Entscheidung des Brandschutzplaners muss nun dahingehend überprüft werden, ob die Forderung die Einhaltung der Schutzziele erfüllt.

Allzu oft werden genau hier (und oft auch zu Recht)  die Vorurteile zum Thema „Kosten für den Brandschutz“ bestärkt. Dies gilt es zu verhindern und hierzu benötigt der Planer oft tiefe Kenntnisse in der Brandschutz-Ingenieurmethoden.

Wir können einige Projekte benennen, in denen durch etwas Kreativität und Mut zur Verantwortung Investitionskosten dramatisch gesenkt werden konnten. Manchmal im sechsstelligen Bereich.

Deswegen zählen Brandschutzkonzepte zu den spannendsten Aufgaben des Brandschutzingenieurs.

Brandschutztechnische Stellungnahme

Der Nachweis der Einhaltung des Brandschutzes muss über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes erbracht werden! Nicht nur zum Zeitpunkt der Genehmigung, sondern auch danach. Der Besitzer ist verpflichtet, dies umzusetzen und haftet für Schäden, wenn er dies versäumt hat.

Der Bestandsschutz regelt, dass für das Objekt die Bestimmungen eingehalten werden müssen, die zum Zeitpunkt der Baugenehmigung gegolten haben. Jedoch kann bei bestimmten Sachverhalten dieser Bestandsschutz erlöschen. So ist eine Umnutzung oft ein Zeichen für das Erlöschen dieses Bestandsschutzes. Der Besitzer muss in diesem Fall die Einhaltung des Brandschutzes neu nachweisen – und zwar zu den heute geltenden Bestimmungen. Dies führt häufig zu baurechtlich schwer lösbaren Problemen.

Eine brandschutztechnische Stellungnahme klärt Teilbereiche zum Thema Brandschutz für ein Gebäude oder eine baurechtliche Situation. Oft fordert die Behörde im Rahmen von Umbaumaßnahmen oder Umnutzungen kein komplettes Brandschutzkonzept, sondern nur eine Stellungnahme eines Sachverständigen („Für die Akte“). Hier kommt die Stellungnahme zum Tragen.

Beispielhaft einige Themen:

Die Nutzung des Gebäudes wurde geändert

Ein Umbau führte zu Änderungen im Rettungswegsystem

Im Gebäudeumgriff haben sich z.B. Zufahrten geändert und die Bedingungen für die Feuerwehr sind verändert

Nutzungseinheiten wurden zusammengelegt.

Ebenso kann die Überprüfung der Einhaltung des Brandschutzkonzeptes erfolgen

Wurden Installationen nachträglich fachmännisch verlegt?

Müssen Schottungen ergänzt oder nachgebessert werden?

Der Weg zum baurechtlich sicheren Gebäude

Sie wollen zum Beispiel einen Industriekomplex mit vielen Umbauten baurechtlich auf sichere Füße stellen und eine neue Gesamtkonzeption zum Thema Brandschutz umsetzen?

Hier der Prozess zur baurechtlichen Absicherung:

Bestandsschutz prüfen

Das Gebäude wurde einmal genehmigt und wie genehmigt auch errichtet. Dieser Bauzustand genießt Bestandsschutz. Sobald aber angebaut, erheblich umgebaut oder umgenutzt wurde, verfällt dieser Bestandsschutz und der Nachweis der baurechtlichen Genehmigungsfähigkeit muss neu erbracht werden. Bauantrag mit neuem BSK muss erstellt werden.

Baurechtliche Situation

Sofern der Bestandsschutz entfallen ist ODER ein neues (anders als ursprünglich genehmigt) Konzept zum Brandschutz umgesetzt werden soll, muss dies über einen Bauantrag dem Gebäude „zugeordnet“ werden.

WICHTIG: es genügt baurechtlich nicht, nur ein Brandschutzkonzept zu erstellen!

Baurechtlich muss immer der genehmigte (!) Stand hergestellt oder beibehalten werden. Wenn der Eigentümer nun eine andere Konzeption des Brandschutzes umsetzen möchte, muss dies auch neu genehmigt werden.

Bauantragsverfahren

Das neue BSK muss mit einem Bauantrag eingereicht werden.

Industriegebäude sind meist als Sonderbau einzustufen und sind entsprechend prüfpflichtig. Aufwendige BSK mit der Anwendung von Ingenieurmethoden sollten unserer Erfahrung nach besser durch einen vom Bauherren gewählten Prüfsachverständigen (Bayern) geprüft werden. Mit diesem kann man im laufenden Verfahren immer gleich absprechen, ob er diese oder jene Abweichung mit trägt oder nicht.

Ein vom Prüfsachverständigen geprüftes BSK muss vom Amt nicht genehmigt werden. Ergänzungen oder Einwände seitens des Amtes sind nicht möglich.

Brandschutzkonzept

Basierend auf den Bestandsplänen entwickeln wir eine Konzeptskizze. Diese stellt ein Grundprinzip für ein mögliches BSK dar. Es wird grundsätzlich geprüft, was möglich wäre und welche Aufwände zur Umsetzung notwendig wären.

Diese ist die Grundlage für unsere Angebotserstellung.

Nun werden weitere Kriterien der Bestandssituation mit einbezogen. Die Vorplanung prüft, ob die Konzeptskizze mit den zusätzlichen Informationen vereinbar ist. Ab jetzt ist (in Bayern) der Prüfsachverständige mit einbezogen. Es werden Varianten dargestellt, die Nutzungsmöglichkeiten, Kosten, Forderungen des Sachversicherers, etc. gegenüberstellen.

Es wird eine Variante beschlossen.

Das BSK wird basierend auf dieser Variante erstellt. Das Konzept beschreibt den Endzustand – also das Ziel – der Umsetzung. Ist dieser Zustand umgesetzt, ist das Gebäude baurechtlich abgesichert.

Zusätzlich werden konkret die notwendigen Maßnahmen dargestellt, die notwendig wären, den Bestand auf das BSK anzupassen. (Maßnahmenliste)

Das BSK wird vom Prüfsachverständigen geprüft. Er stellt die „Bescheinigung Brandschutz I“ aus.

Genehmigung

Das Brandschutzkonzept wird vom Prüfsachverständigen geprüft und er stellt die „Bescheinigung Brandschutz I“ aus. Diese wird an das Bauamt geschickt und dort dem Bauantrag beigefügt.

Umsetzung

Es folgt die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes oder beim Bestandsbau der Maßnahmenliste.

Der Prüfer bestätigt nach Fertigstellung die korrekte Umsetzung in Form der „Bescheinigung Brandschutz II“, die dem Bauamt zugeht.

Erst jetzt besteht baurechtlich wieder eine offizielle Nutzungserlaubnis!