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Notausgang 2

Brandschutz Fachplanung – worauf Sie vor der Vergabe achten sollten!

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Fahrlehrer und Ihr Schüler tritt zur Fahrprüfung an. Der Schüler am Steuer, der Prüfer auf der Rückbank geht die Fahrt los. Ihr Zögling schießt mit 70 Sachen durch die Stadt. Auf die Frage des Prüfers, was das denn solle, antwortet er: „Wir sind doch angeschnallt, das ist schon in Ordnung!“ Der Prüfer nickt und die Fahrt geht weiter. Diesmal gegen eine Einbahnstraße. „Wir sind doch angeschnallt und gestern kam auch Keiner!“, ruft der Fahrschüler und der Prüfer nickt wieder zufrieden. So geht das weiter über rote Ampeln und sonstige Verstöße mit immer den gleichen „Kompensationen“.

Am Ende erhält der Schüler seinen Führerschein und Sie als Fahrlehrer sind zufrieden.

Nun kommen wir und fragen Sie, was das denn sei – der Schüler hat doch alles mißachtet und Sie müßten das doch anmahnen! Sie fragen uns zu Recht, wieso Sie das tun sollten – schließlich haben Sie Ihr Ziel doch erreicht.

Bildhaft stellt sich uns genau so die Situation allzu oft dar: wir sind zur Bauüberwachung Brandschutz beauftragt und der Bauherr legt uns ein Konzept vor, bei dem die Prüfung wie oben dargestellt bestanden worden ist und die Probleme im Zuge der Ausführung nun plötzlich auf der Baustelle liegen und alles stoppen.

Zugegeben – wir haben kein Argument, ein – aus unserer Sicht offensichtlich und begründbar mangelhaftes Konzept zu beanstanden – schließlich ist es baurechtlich legitimiert, geprüft und Teil der Baugenehmigung.

Wir können nur vorab versuchen aufzuklären und für unsere Sicht zum Thema Brandschutz werben!

Brandschutz bestimmt Baukosten

Das Brandschutzkonzept bestimmt entscheidend mit über die Baukosten des Gebäudes.

Die bestehenden rechtlichen Vorschriften, wie die Landesbauordnung geben bestimmte Forderungen für Brandschutzmaßnahmen vor, mit denen die vorgeschriebenen Schutzziele erreicht werden können. Damit wird eine Option zur Umsetzung eines rechtssicheren Brandschutzes dargestellt. Allerdings besteht gerade im Bereich Brandschutz die Möglichkeit, die Schutzziele auch auf anderen Wegen als den gesetzlich vorgegebenen zu erreichen.

Ein guter Brandschutz-Fachplaner wird Ihnen bei komplexen Projekten mehrere Optionen aufzeigen und Ihnen jeweils die bautechnischen und finanziellen Konsequenzen darstellen.

In einem eigenen Projekt konnten wir eine bestehende Brandschutzvorplanung dahingehend optimieren, dass eine Kostenersparnis von mindestens 500.000 € ermöglicht werden konnte. … und ein Brand im Objekt hat bewiesen, dass das Konzept zur vollen Zufriedenheit des Betreibers, der Feuerwehr und der Versicherungen funktioniert hat!

Integrative Planung

Maßnahmen im baulichen Brandschutz betreffen immer die gesamte Planung eines Gebäudes. Ein guter Brandschützer integriert sich mit seiner Planung in die Architektur und andere Fachplanungen.

Er nimmt die Wünsche des Auftraggebers auf und führt frühzeitig Gespräche mit Behörden und den Prüfsachverständigen. Zudem sollte ein guter Brandschutz-Fachplaner Anpassungen der Planungen anregen, sofern dadurch Potenziale gehoben werden könnten. – und auch fremde Anregungen aufzunehmen bereit sein.

Basis für eine solche integrative Planung des Brandschützers ist eine fundierte Ausbildung im Bereich der Architektur und technischen Gebäudeausrüstung sowie ausführliche Erfahrungen in diesem Bereich.

Das Brandschutzkonzept

Unsewr Rat: Lassen sie sich ein Muster Brandschutzkonzept zeigen!

Gute Brandschutzkonzepte enthalten keine ermüdenden Zitate, Belehrungen, Bilder von Brandschutzeinrichtungen oder ausführliche Gemeinplätze. Die Adressaten des Brandschutzkonzepts kennen die Gesetze und Verordnungen meist und benötigen zumeist keine ausführlichen Zitate dieser Regeln oder sonstige Belehrungen. Verweise hierauf genügen völlig.

Wir denken, dass präzise formulierte Inhalte, die individuell auf das Projekt passen und Informationsgehalt besitzen besser zu einem Brandschutzkonzept passen.

Unser liebstes negativ-Beispiel zum Thema Rettungswege aus einem Konzept:

„ … dies besitzt den großen Vorteil, dass viele Personen aus eigener Kraft gleichzeitig fliehen und dabei den Zeitpunkt der Flucht selbst bestimmen können.“

Unserer Meinung nach werden einige wichtige Punkte in den meisten Brandschutzkonzepten nicht behandelt:

  • Brandgefahrenanalyse
  • Brandszenarien Darstellung
  • Analyse des Bestandsschutzes
  • Ingenieurmethoden

Abweichung und Kompensation

Die meisten modernen Gebäude und Altbauten können nicht komplett nach den rechtlichen Brandschutzvorschriften errichtet werden. So ist es laut Landesbauordnung unzulässig, eine Deckenöffnung in einem Gebäude vorzusehen. Adrien oder Lichthöfe in Innenbereichen sind damit prinzipiell rechtlich nicht zulässig. Nur über die Beantragung einer Abweichung können solche abweichenden Planungen realisiert werden.

Der Gesetzgeber hat klar definiert, wieso eine Abweichung zu beschreiben und zu beantragen ist. Immer wieder lesen wir in Brandschutzkonzepten, wie eine Abweichung schlichtweg mit einem einzigen Satz abgetan wird. Das stupide aufführen einer BMA als alles-macht-gut-Lösung wird man nur noch in rückständigen Brandschutzkonzepten finden. Gefragt ist eine schutzzielorientierte Denkweise für den individuellen Fall, bei der die Kompensation auch wirklich die individuelle Abweichung ausgleicht.

Der Brandschutzplan

Ein guter Brandschutzplan sollte

  • auf den aktuellen Daten des Architekten basieren
  • möglichst übersichtlich und gut lesbar sein
  • auf überflüssige Angaben verzichten

Merke:

Je weniger im Brandschutzplan steht, desto günstiger wird die Umsetzung meist für den Bauherrn!

Ausbildung

Unser Rat: Fragen Sie einfach nach der Ausbildung des Brandschützers, dem Sie sich anvertrauen möchten!

Und fragen Sie, WER in diesem Büro letztendlich Ihre Planung wirklich erstellt. Denn aufgrund der hohen Auslastung in den Büros vertieft sich der Schef nur noch selten selbst in Projekte.

Grundsätzlich sind Architekten zeichnungsberechtigt für bauliche Planungen und damit auch aus historischen Gründen verantwortlich für den Bereich Brandschutz. Diese Konstellation rührt noch aus Zeiten her, in denen das Thema Brandschutz zum Teil auch von der Behörde in sogenannten Grüneinträgen einfach in die Bauantrags Pläne eingetragen wurde und eher als Randthema behandelt wurde.

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat sich diese Einstellung aber grundlegend verändert: moderne Gebäude können nicht mehr mit einfachen Grüneinträgen brandschutztechnisch behandelt werden, da die Anforderungen der Bauherren und Architekten an Offenheit in der Gestaltung gestiegen sind. Auch der Markt um Bauprodukte im Brandschutz hat sich in den letzten Jahren so expotential entwickelt, dass eigentlich nur noch Experten die Lösungen praxisgerecht umsetzen können.

Brandschutz hat sich zu einem komplexen und alle Fachbereiche berührenden Spezialthema entwickelt. Die immer zahlreicher werdenden Weiterbildungsangebote für Architekten zum Thema Brandschutz beweisen, dass hier ein hoher Bedarf an Fortbildung besteht.

Das wohl höchste Ausbildungsniveau erreicht man über ein Studium zum Master auf Engineering für vorbeugenden Brandschutz. Im Gegensatz zu den Sachverständigen-Fortbildungskursen werden hier alle Themen des Brandschutzes aus der ingenieurmäßigen Sichtweise im Detail und über mehrere Jahre hinweg intensiv geschult und die ingenieurmäßige Denkweise (gegenüber dem Blick durch die „Sachverständigenbrille“) erlernt.

Initiative und Engagement

Eine gute Brandschutzplanung entsteht, indem man sich Zeit für den Kunden seine Wünsche und die Planungen nimmt.

Der Brandschützer betreut ein Objekt im Optimalfall bis zur Fertigstellung und bringt sich in der Werkplanung und Umsetzung aktiv, integrativ und optimieren ein.

Ohne Liebe zum Thema und Wille zum Einsatz geht es unserer Meinung nach in diesem Thema nicht!